Xantos

Xantos ist tot - wir haben ihn am 6. Okt. 2011 einschläfern lassen. Und in uns ist ein großer Schmerz.

Max und ich haben diesen Hund in der Zeit, in der er bei uns war, sehr, sehr lieb gewonnen. Wir bereuen nichts. 

Nicht den finanziellen Aufwand für seine Medikamente und die Krankenhausaufenthalte. Nicht die psychische Belastung während der Anfallszeiten. Nicht Xantos Abholaktion in Dortmund, nicht den Einbau eines elektronischen Türöffnungssystems damit der tagsüber jederzeit zum Pipi-Machen in den Garten gehen konnte, nicht die Zeit in der wir nicht wegfahren konnten, weil wir Xantos nicht stundenlange alleine lassen wollten.


Der Hund war ein großer Gewinn in unserem Leben und durch seinen Sanftmut hat er nur Glück in unser Leben gebracht.
Ich vermisse so viel: Seien Brummen, wenn er sich wohl fühlte, seinen Jaul-Gesang, den wir zusammen immer wieder gemeinsam durchführten. Zum Schluss sogar zu dritt mit Kral. Sein wunderschönes Aussehen, seine lieben Augen, einfach alles.
Ich bin so unendlich traurig und doch weiß ich nicht, ob es besser war jetzt diesen Schritt mit ihm gemeinsam zu gehen, bevor die Anfälle über Nacht unkontrolliert abliefen bzw. er nur noch unter einen massiven Drogenkonsum Ruhe fand.

Doris und Max

Xantos‘ Geschichte - Dezember 2010 – ein Brief von Doris Dorschner-Walleitner 

Es ist schön, dass ich E-Mails von Tierfreunden bekomme, die nach Xantos fragen. Leider bin ich nicht früher dazu gekommen, Euch von ihm zu berichten. Aber ich kann Gutes von ihm erzählen. Xantos ein schönes Zuhause zu verschaffen und ihn gesundheitlich stabil zu bekommen hatten - ich bin sicher, ihr versteht es - oberste Priorität.
Im Februar 2010 schalteten wir viele Inserate, um für Xantos einen neuen Besitzer zu finden. Aber für einen Hund, bei dem epileptische Anfälle nicht ausgeschlossen und in der Eingewöhnungsphase auch keine Stubenreinheit garantiert werden konnte, wollte sich kein Interessent entscheiden. Außerdem sollte vermieden werden, dass der neue Besitzer, wegen einer zu hohen nervlichen Belastung, den Hund nach kurzer Zeit wieder zurückgegeben hätte. 

Wir suchten ein Zuhause für immer.

Letztendlich mussten wir uns, einige Tage nach dem langen ersten Klinikaufenthalt, für eine Unterbringung im Gnadenhof entscheiden. Ich hatte Euch davon bereits berichtet. Dies geschah am 27.2.2010. Xantos bekam eine große geflieste Innenzelle mit einem eigenen betonierten Freigehege. Tagsüber hatte er stets freie Wahl, ob er nach draußen gehen oder lieber unter seinem Rotlicht im Innenraum liegen wollte. Ab und an durfte er zum Spazieren gehen in den Innenhof, auf eine Wiese oder in ein kleines bewaldetes Gehege. Zum Fressen und Leckerlies von den Besuchern gab es genug. Ich besuchte ihn zwei Mal wöchentlich, streichelte ihn viel und ab und zu gingen wir auch, außerhalb des Gnadenhofes, ein bisschen spazieren.

Im späten Frühjahr kam in der Nachbarbox Nachwuchs auf die Welt. Das Fiepen der Welpen war sicherlich für Xantos kein Problem. Vielleicht träumte er auch davon, wie schön es gewesen wäre von diesen kleinen Pelztierchen der Vater zu sein. Als die junge Mutter mit ihren Welpen umziehen musste und Xantos einen lautstarken Nachbarn bekam, löste dieser Stress wahrscheinlich die danach immer häufiger vorkommenden epileptischen Anfälle bei ihm aus. Am Anfang bestand meinerseits nur die Vermutung, dass diese wieder auftraten. Aber eines Tages konnte ich, während meiner Anwesenheit, einen Anfall beobachten. Ich sprach mit der zuständigen Tierärztin, der verantwortlichen Beirätin des Gnadenhofes, mit den Pflegern.

Es war absehbar, dass wir Xantos nicht im Gnadenhof lassen konnten. Wir standen wieder vor der Frage: Was machen wir? Wer kann Xantos noch ein schönes Zuhause geben?

Am 11.6.2010 wurde ich angerufen. Xantos hatte einen Anfall/Anfälle. Wir entschieden, dass wir ihn sofort in die neurologische Abteilung der veterinärmedizinischen Universitätsklinik in München bringen. Als mein Mann und ich ihn vom Gnadenhof abholten, hatte er mehrere Anfälle hintereinander. Dies zu erleben, kostete Kraft.

Eine Woche verbrachte er in der Klinik. Xantos wurde erneut medikamentös eingestellt und schnell stabil. Es blieb nur noch eine Möglichkeit. Wir mussten Xantos privat bei uns aufnehmen und ihn somit für immer übernehmen. Wie würden unsere zwei Hunde, Sissy und Kral, der heimliche Herrscher, auf Xantos Anwesenheit reagieren? Konnten wir die Betreuung des Hundes zeitlich überhaupt noch bewältigen?

Wir räumten das Gartenhaus aus. Was mit den mediterranen Pflanzen während der Wintermonate passieren sollte, wussten wir nicht. Wir bauten einen Zaun mittels den wir das Grundstück teilten, damit unsere Hunde nicht über Xantos herfallen konnten, sollte er einen Anfall bekommen. Wärmelampen wurden gekauft, die letztendlich doch zu wenig Wärme spendeten.

Als wir Xantos zu uns nach Hause brachten, spazierte er vollkommen selbstverständlich durch die Gartentüre hinein in Richtung Gartenhaus und verschwand darin, um auf seiner Matratze Platz zu nehmen. Xantos konnte tagsüber durch die geöffnete Türe des Gartenhauses rein und raus gehen. Er hat die Möglichkeit einen kleinen Garten sein eigen nennen zu können. Xantos spaziert jedoch lieber auf Pflasterboden als auf Wiesengrund.

Die Eingewöhnungsphase war für Xantos bei weitem nicht so schlimm, als wie für mich. Xantos war natürlich nicht spontan stubenrein. Also verbrachte ich jeden Tag Zeit mit Putzen. Aber nach einigen Wochen wurden die spontanen Putzaktionen immer weniger. Xantos fühlte sich sichtlich wohl. Er spazierte immer wieder im Garten umher und schlief viel. Die sommerliche Hitze machte ihm sichtlich zu schaffen.

Leider gab es im September eine Woche, in der Xantos zigfache Anfälle über sich ergehen lassen musste. War die Ursache ein zu heftiger Wetterumschwung? Egal ob tagsüber oder nachts. Die Anfälle kamen und gingen. Ich hatte Notfallmedikamente von der Uniklinik bekommen. Aber nichts wirkte. Ich wolle dem Hund helfen. Er tat mir so leid. Unruhig und bis zur Erschöpfung taumelte erdurch den Garten. Es gab keine Ruhe für ihn.Wir stellten in Absprache mit der Klinik die Medikamente um. Nun bekam er nicht nur Anfälle, sondern spuckte die neuen und die alten Epilepsietabletten auch noch aus. Es war ein Alptraum. Ich wollte den Hund nur noch beruhigen. So konnte es nicht mehr weiter gehen. Ich verabreichte Xantos Baldrian.

Am nächsten Tag, einem Samstag, lieferten wir Xantos wieder in die Klinik ein. Am darauffolgenden Montag wurde er wieder entlassen. Bereits in der Klinik hatte er keine Anfälle mehr. Und seit dieser Zeit ist er wieder absolut stabil.

Unser kastrierter Rüde Kral hat sich mit Xantos gut angefreundet. So oft es möglich ist, lasse ich die zwei im Garten zusammen. Kral wurde schwer misshandelt. Zeit und Geduld haben ihn inzwischen zu einem Traumhund werden lassen. Sissy, unsere kastrierte Hündin und ein Verkehrsunfallopfer mit nur noch drei voll funktionsfähigen Beinen ist an Xantos nicht interessiert. Das Maximalste was erlaubt wird – wenn überhaupt – ein bisschen schnüffeln. „So viele“ Männer sind ihr zuviel, zumal Kral die scheinbare Herrschaft über Sissy beansprucht. Daher ist sie auch auf keinem der Fotos zu sehen.

Xantos liegt jetzt in seinem wohltemperierten Gartenhaus mit automatischem Türöffnungssystem. Er kann tagsüber jederzeit ins Freie und wieder zurück in das Gartenhaus. Das Türöffnungssystem haben wir, gerade noch rechtzeitig im November, dank des Einsatzes eines außergewöhnlichen Schreiners im Nachbarort, einbauen lassen. Nachts bleibt die Türe versperrt. Xantos ist jetzt so gut wie stubenrein.

Ich hoffe so sehr, dass Xantos derzeitiger stabiler Gesundheitszustand lange so bestehen und uns das „Riesenschnuckel“ noch lange erhalten bleibt. Eine Tierärztin im Nachbarort kommt vierteljährlich zur Kontrolle der Blutwerte zu uns. Xantos mit dem Auto zu transportieren, wäre zu viel Stress. Er bekommt zwei Mal täglich, zur gleichen Zeit, Phenoleptil, seine Epilepsietabletten, das pflanzliche Stärkungsmittel Canised und ein paar homöopathische Globuli, die gut für Epileptiker sein sollen.

Liebe Spender, die Ihr speziell für den Notfallhund "Xantos" gespendet habt - ich weiß, dass Xantos sich bei Euch bedanken würde, wenn er könnte. Ihr habt ihn finanziell in der Übergangsphase, als Tierschutzhund, nicht fallen lassen. Durch Euere Unterstützung durfte er weiterleben. Ich denke, er ist ganz zufrieden und in seinem kleinen Reich glücklich.

Seit der Übernahme am 17. Juni 2010 durch uns, musste der Verein nicht mehr für die Kosten von Xantos aufkommen.Xantos bleibt, bis an sein Lebensende, bei uns. Die Bedenken, einen Epileptiker zu übernehmen, waren weit größer als sich die Situation derzeit darstellt. Leider bekamen wir durch Bekannte auch falsche Informationen über Epileptiker. Die Erkrankung zeigt wahrscheinlich, je nach Hund, sehr unterschiedliche Erscheinungsformen.

Wir haben die Übernahme von Xantos keine Sekunde lang bereut. Unsere Hunde kommen gut klar mit Xantos. Einige Vorsichtsmaßnahmen beachten wir allerdings weiter. So lassen wir, für längere Zeit, die Hunde nicht ohne Aufsicht zusammen.

Es ist so schade, dass alte, kranke oder behinderte Tiere so wenig Interessenten finden.Sie geben so viel an Freude und Dankbarkeit zurück.

Ich habe einige Bilder angefügt, die Xantos neues Zuhause zeigen.  Zuletzt möchte ich mich noch bei den Personen bedanken, die mir so verständnisvoll geholfen haben.

Xantos behandelnde Tierärzte und das betreuende Pflegepersonal in der neurologischen Abteilung der veterinärmedizinischen Uniklink in München unter der Leitung von Frau Dr. med. vet. Fischer. Sie betreuten den Hund stets einfühlsam und absolut kompetent.

Unsere Tierärztin Dr. Dengjel in Diessen am Ammersee. Sie hatte sofort einen wunderbaren Bezug zu Xantos und betreut und berät uns vorbildlich.

Unsere Tierärztin vor Ort in Vaterstetten/Baldham. Sie hat sich sofort bereit erklärt den Hund bei uns zuhause zu betreuen. Das ist im Münchner Raum keine Selbstverständlichkeit. Unseren tollen, einfallsreichen Schreiner, Herrn Korhammer aus Grasbrunn und seinen Freund Herrn Kanz aus Zorneding, der Elektriker ist. Die zwei haben nicht locker gelassen um dem Hund ein wunderbares warmes Zuhause zu erarbeiten.

Danke, danke an alle für Xantos Hilfe.
Liebe Grüße
Euere Doris Dorschner-Walleitner